Vom Pflänzchen der Liebe

61 Jahre Eheglück – wovon viele träumen, das haben Toni und Erna Schwaiger geschafft. Im Gespräch blicken die beiden zurück auf ihre gemeinsame Zeit und erzählen vom Schlüssel zum (Ehe)Erfolg.

Wie habt ihr einander kennengelernt?

Toni Schwaiger: (blickt zu seiner Frau): Weißt du noch?

Erna Schwaiger: Ja, das war 1955.

Toni: Erna war damals Verkäuferin und wohnte im Mädchenheim der Caritas, ihr blieb nur wenig Geld zum Leben. Ich wohnte im Kolpingheim und es gab öfters Veranstaltungen der beiden Häuser, wo dann die Mädeln und Burschen zusammentrafen. Eines Abends sah ich sie neben den anderen Mädchen, sie hatte gar kein Getränk. Da hab ich der Kellnerin gesagt: „Stellen’S dem Mädchen ein Cola hin“. Da war der Anfang.

Erna: Dann waren wir einmal in der Maria-Theresien-Straße spazieren, das war unser zweites Treffen.

Wann habt ihr beschlossen, zu heiraten?

Toni: Wir haben es langsam angehen lassen, 1958 haben wir dann geheiratet. Die zweieinhalb Jahre dazwischen, das war die Zeit zum Kennenlernen und Verlieben.

Erzählt von eurer Hochzeit.

Toni: Die Hochzeit war einfach gewaltig.

Erna: Einfach und schön war es.

Toni: Das war am 18. Oktober 1958, es lag schon viel Schnee an dem Tag. Mein Kollege hatte damals schon ein Auto – einen größeren Fiat – er war also der Brautchauffeur. Die Trauung fand um 10 Uhr vormittags im Innsbrucker Dom statt. Getraut hat uns Pfarrer Josef Rohringer, ein sehr angenehmer Mensch, den wir auch privat kannten. Nach der Hochzeit waren wir in der Altstadt in einem Café. Anschließend gab es das Hochzeitsmahl am Schönblick, nachmittags waren wir im Gasthaus Janisch in Neu-Pradl. Dort hatten wir eine Wohnung mit einem Zimmer, wo wir am Abend mit den Gästen waren. Die Feier war im kleinsten Rahmen mit 15 Leuten: unsere Eltern, Geschwister und Freunde.

Erna: Wir hatten damals auch nichts.

Wie waren Hochzeiten damals üblicherweise?

Toni: Sie waren klassisch. Die einen gaben mehr aus, die anderen weniger. Aber es war immer elegant.

Erna: Mein Hochzeitskleid war geliehen, das konnte man sich damals nicht leisten.

Toni: Ein Hochzeitsfoto haben wir aber gemacht, bei einem Fotografenstudio. Das war nach der Trauung und dem Kaffee, bevor man zum Hochzeitsmahl gegangen ist.

Ihr seid mittlerweile 61 Jahre lang verheiratet. Was ist das Geheimnis eurer Ehe?

Toni: 61 Jahre ist schon ein bisschen länger, ja. Für mich gibt es drei wichtige Dinge in jeder Ehe: Vertrauen, Vertrauen, Vertrauen. Man muss dem anderen in jeder Beziehung vertrauen können, sonst funktioniert es nicht – das ist das Grundelement in der Ehe. Ein Haus, das man ohne massiven Untergrund baut, bleibt ewig eine wackelige Angelegenheit.

Erna: Es war auch gar nicht Liebe auf den ersten Blick, wir hatten ja gar nicht die Absicht, einen Partner zu finden.

Toni: Die Liebe ist wie ein kleines Pflänzchen, das man pflegen und umsorgen muss, damit es langsam wächst.

Gab es auch schwierige Zeiten und wie habt ihr diese bewältigt?

Toni: Probleme haben wir nicht zerredet, wir sind keine Quassler, die Tag und Nacht reden. Wenn es Schwierigkeiten gab, haben wir darüber gesprochen, es aus der Welt geschaffen und aus. Zu mehr war auch nicht die Zeit: wir mussten sehr viel arbeiten und uns eine Basis schaffen.

Erna: Unsere erste Wohnung haben wir mit viel Glück bekommen. In dem einen Zimmer haben wir später mit drei Kindern gewohnt, fließend Wasser und ein Bad gab es nur am Hausgang. Das waren ganz andere Zeiten als heute.

Wie verändert sich eine Ehe über so viele Jahre?

Toni: Ich würde sagen: kaum! Entweder es passt, oder es passt nicht. Die Ehe ist für mich keine Last, sondern eine Aufgabe und zu dieser bekommt man auch die Kraft. Wer Kinder hat, der hat außerdem die Pflicht, sie zu schützen und pflegen und ihnen ein gutes Vorbild zu sein. Natürlich braucht es auch Ausdauer, das ist das Vertrauen, dass keine Eifersucht entsteht.

Erna (lächelt): Dass wir Ausdauer haben, das haben wir schon bewiesen.

Ihr habt gemeinsam einen Betrieb geführt. War es manchmal schwierig, beruflich und privat immer zusammen zu sein?

Toni: Wir hatten eine Metzgerei in Hötting. Die Tagesordnung hat uns eine klare Struktur vorgegeben: Aufstehen, Kinder herrichten und ins Geschäft gehen. Die Kinder wussten immer wo wir sind, hatten ihren Freiraum und abends waren wir zuhause und musste nicht lange pendeln. Ich glaube, es war eine gute Umgebung für die Kinder.

Erna: Wir haben immer zusammen geholfen, das ist besonders wichtig.

Habt ihr auch gemeinsame Hobbies? Denkt ihr, dass es wichtig ist, gemeinsame Interessen zu haben?

Toni: Zuerst muss man sich mal eine Basis schaffen in der Ehe. Wir haben sozusagen mit Minuswachstum angefangen – es waren anderen Zeiten und wir hatten nicht viel. Wenn die Kinder dann mal flügge sind, dann ist wieder mehr Zeit. Als wir 50 Jahre alt waren, haben wir mit dem Reisen begonnen. Zuerst mit dem Wohnwagen, später dann auch nach Amerika, Asien und Afrika. Ich habe das in toller Erinnerung, das wirkt gewaltig für die Ehe: man ist wieder frisch verliebt, hat keine Verpflichtungen und das kleine Pflänzchen fängt wieder an zu wachsen.

Erna: Das war eine schöne Zeit, die Reisen und die Kultur. Wir waren rund um die Welt gereist und es sehr genossen.

Heute werden immer mehr Ehen geschieden. Warum denkt ihr, dass das passiert?

Toni: Wir leben in einer Wohlstandsgesellschaft. Wir mussten damals hart arbeiten, um uns ein gutes Leben aufzubauen. Auf unseren ersten Radio haben wir lange Zeit sparen müssen. Der kostete 4000 Schilling, wir haben 240 Schilling monatlich verdient. Heute hat man alles, was man braucht und sucht immer nach dem „mehr“.

Habt ihr Tipps für junge Paare und Eheleute?

Toni: Das fragen mich meine Enkel auch. Die jungen Leute interessiert das, die wollen wissen, was sie beachten sollen. Aber ich habe keine Tipps. Ich möchte mir nicht anmaßen der gebildeten Jugend von heute Tipps zu geben. Nur so viel: Wer auf das Pflänzchen der Liebe schaut, der hat’s, wenn er’s braucht. So bin ich auch zu meinem Schatz Erna gekommen.

Quelle: Hochzeiten in Tirol 2020, Fotonachweis: Franz Oss

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